++++ Vorsicht: Der Eiertanz um legale Wolfsabschüsse geht weiter. Aus gutem Grund weigern sich betroffene Jäger, an politisch verordneten Entnahme-Aktionen teilzunehmen, denn die Rechtslage ist nämlich noch immer ungeklärt. Klar scheint nur: Wer sich zum Handlanger der Behörden macht, der muss nicht nur mit Hass und Attacken, sondern auch mit Strafanzeigen rechnen. Ob dann Freibriefe von Ministern helfen, ist eine sehr offene Frage ++++ Noch komplizierter wird die Situation, wenn Jäger zur Abwehr direkter Gefahr für Leib und Leben von Haus- und Nutztieren zur Waffe greifen. Notwehr und Nothilfe scheiden als Rechtfertigung aus. Ob ein „rechtfertigender Notstand“ vorliegt, wenn ein streng geschütztes Raubtier in Schaf- oder Rinderherden wütet, ist eine bisher ungeklärte Streitfrage ++++ Der Lohrer Stadtwald gilt in Fachkreisen schon lange als naturnah und artenreich. Nun tauchten zwei Arten auf, deren Erscheinen selbst Fachleute aufhorchen lässt: Zum einen hat eine Fotofalle unweit des Waldhauses Rexroth einen Luchs abgelichtet. Zum anderen zog in diesem Jahr erstmals ein Wanderfalkenpaar im Stadtwald Nachwuchs auf. Während es vom Luchs schon sehr vereinzelte Nachweise im Spessart gab, ist die Brut des Wanderfalken eine Neuheit. In ganz Bayern ist nur ein weiteres baumbrütendes Wanderfalkenpaar bekannt ++++ Wild-Konfiskat-Sammelstelle Miltenberg gut besucht: Seit ihrer Eröffnung im Februar dieses Jahres, wurden dorthin über 9000 kg Entsorgungsmaterial durch Jäger verbracht ++++ Fellwechsel Miltenberg: In der Konfiskat-Sammelstelle Miltenberg können wieder Raubwild und Neozoen mit Kerne angeleifert werden. Die eigens dafür angeschaffte Truhe läuft ++++

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Unser Wald in Zahlen

Keine Frage, unser Wald leidet. Neben den Negativschlagzeilen der letzten Monate gibt es aber auch Sensationen um den Wald in unserer Region

So steht der höchste Baum Bayerns in Churfranken: Mit über 60 Metern Höhe wurden im Spessart insgesamt vier Douglasien gescannt. Die höchste erreicht 63,33 Meter und steht im Staatswald des Forstbetriebs Rothenbuch, in einem Seitental des Mains in der Gemeinde Collenberg. Der zweithöchste Baum ist ebenfalls eine Douglasie, sie steht 25 Kilometer entfernt im gemeindefreien Gebiet Forst Lohrerstraße und ist nur 2 cm niedriger. Auch die bislang als höchster Baum Bayerns geltende Douglasie wächst im Spessart, ist jedoch einen ganzen Meter kleiner und besetzt damit den dritten Platz.

Mit einem Alter zwischen 105 und 108 Jahren, einem Brusthöhendurchmesser von 98,5 cm geht der Titel des „höchsten Baumes Bayerns“ derzeit nach Unterfranken. Die Douglasie hat ihre Heimat an der Westküste Nordamerikas, wo sie Höhen bis zu 90 Meter, manchmal auch darüber, erreichen kann. In Bayern wird die Nadelholzbaumart seit ca. 120 Jahren angebaut, ist jedoch aktuell nur mit 1 % an der Baumartenzusammensetzung beteiligt. Beim Waldumbau ist sie als Mischbaumart auf geeigneten Standorten eine gute Alterative, zum Beispiel dort, wo die heimischen Nadelhölzer Fichte und Kiefer durch den Klimawandel an ihre Grenzen kommen.

Die größten Stadtwälder in Bayern - Unser Stadtwald Miltenberg rangiert auf Platz 4

Schon an vierter Stelle rangiert unser Stadtwald Miltenberg mit rund 3.000 ha, gefolgt von Lohr, Alzenau und Amorbach (2.661 ha). An erster Stelle steht der Augsburger Stadtwald mit rund 7.679 ha, gefolgt von München und dem Lohrer Stadtwald. Überhaupt ist unser Bayernland mit Waldreichtum gesegnet. Kein anderes Bundesland verfügt über so viel grüne Lungen. Unser „Freistaat Bayern“ ist mit ca. 778.000 ha der mit Abstand größte einzelne Waldbesitzer Deutschlands. Die Bayerischen Staatsforsten bewirtschaften mit ihren rund 2.700 Beschäftigten 11,4% der Landesfläche. In Bayern befindet sich mehr Wald in Landesbesitz, als in Hessen (No. 2) und Niedersachsen (No. 3) zusammen.

Dabei ist der Anteil des Landeswaldes an der gesamten bayerischen Waldfläche mit 29,8% noch nicht einmal besonders hoch, sondern liegt recht nah am bundesdeutschen Durchschnitt (29,0%). Aber mit 2,6 Mio. ha ist Bayern einfach das mit Abstand größte Waldland Deutschlands. Mehr als ein Fünftel (22,8%) des bundesdeutschen Waldes ist bayerisch. Unter dem Aspekt der Wald-Besitzstruktur ist Landeswald auch deswegen interessant, weil jede Entscheidung hier deutlich weitreichendere Folgen besitzt, als wenn der größte private Waldbesitzer, oder der größte kommunale Waldbesitzer etwas beschließt. Dreht Bayern oder Hessen an der Holzpreisschraube, dann knirscht es im Gebälk.

Die Bedeutung des bayrischen Waldes wird deutlich, wenn man den Privatwald betrachtet. Bayrische Privatwald-Besitzer bewirtschaften absolut gesehen mehr Wald, als das flächenmäßig zweitgrößte „Waldland“ Baden-Württemberg insgesamt aufweist.

Die größten Privatwaldbesitzer

Die größten deutschen Privateigner von Wald sind mit Ausnahme der Constantia Forst GmbH, der Bofrost-Stiftung und der Blauwald GmbH allesamt Adelsfamilien. Kleine Randbemerkung: Die deutsche „No.1“, die Thurn und Taxis, würde in Österreich gerade einmal Platz 5 belegen. Von einem Vergleich mit dem größten privaten Waldeigentümer in Europa abgesehen, die Elchjäger unter uns haben dort vielleicht schon gejagt: Die Svenska Cellulosa Aktiebolaget kurz „SCA“ (Tempo, Zewa, Danke etc.) aus Schweden besitzt 2,6 Mio. ha. Das entspricht dem 130-fachen der Waldfläche derer zu Thurn und Taxis.

Zum Vergleich: Der gesamte Waldbestand des Freistaates Bayern umfasst ebenfalls 2,6 Mio ha. Thurn und Taxis verfügen mit knapp 20.000 ha über den größten Privatwaldbesitz in Deutschland.

Christian Erbprinz zu Fürstenberg, sein Waldbesitz umfasst ca. 18.000 ha. Zwei Drittel der Waldflächen befinden sich im Schwarzwald. Er besitzt darüber hinaus Wälder in Kanada und Österreich. Die preußischen Hohenzollern verwalten 15.000 ha, davon entfallen 12.800 ha auf das Bundesland Baden-Württemberg und 2.200 ha auf Bayern. Unsere regionalen Fürstenhäuser haben auch viel zu bieten. Das Fürstlich-Löwenstein’sche Forstamt bewirtschaftet im Spessart (Forstamt Einsiedel) und im Odenwald (Forstamt Hainhaus) eine Waldfläche von ca. 7.000 ha. Die Fürstlich Löwenstein-Wertheim-Freudenberg’sche Verwaltung notiert 4.448 ha fürstliche Wälder. Schaut man nach Erbach in die Gräflich-Erbach-Fürstenauische Verwaltung, bewirtschaftet der Forstbetrieb dort eine Gesamtfläche von 4.250 ha, davon 4.212 ha Forstbetriebsfläche. Die familieneigenen Flächen liegen zu 100 Prozent im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald.

Waldwert ermitteln

Stand 2018. Wenn man einen verkaufswilligen Waldbesitzer gefunden hat, steht die Frage des Waldwertes im Raum. Der Regelfall ist, dass auch der Waldverkäufer nicht weiß, was sein Waldstück wirklich wert ist. Der Grund ist dem Umstand geschuldet, dass Wald sehr selten gehandelt wird, es fehlen Erfahrungswerte. Zudem ist Wald meist seit Generationen im Familienbesitz. Der aktuelle Besitzer hat das Waldstück meist nicht gekauft, sondern geerbt. Selbst wenn tatsächlich einmal der Wert eines Waldstücks abgeschätzt wurde, ist dieser Wert Jahre später durch variieren von gestiegene Boden- oder gefallenen Holzpreisen oder dem Holzzuwachs neu zu taxieren.

Verkaufsverhandlungen sollten immer vom Waldwert ausgehen. Der Waldwert setzt sich aus dem Bodenwert und dem Wert für den Waldbestand bzw. Holzbestand zusammen. Da Laien kaum über Erfahrungswerte verfügen dürften, sollte man hier unbedingt die Hilfe eines Fachmannes hinzuziehen. Man kann beim zuständigen Forstamt auch über fremde Waldgrundstücke ein sogenanntes Wertermittlungsgutachten in Auftrag geben. Das forstliche Gutachten wird von einem qualifizierten Forstbeamten erstellt und folgt den gesetzlich vorgegebenen Waldbewertungsrichtlinien. Bei der Ermittlung des Verkehrswertes wird aus dem Boden- und dem Bestandswert nach dem sogenannten Alterswertfaktorenverfahren unter Berücksichtigung objektspezifischer Zu- und Abschläge der Verkehrswert hergeleitet. Hierzu werden Lage, Zustand, Nutzungsmöglichkeiten, Erreichbarkeit und Befahrbarkeit der Fläche sowie Baumarten, Alter, Leistungsfähigkeit und Güte des Bestandes herangezogen bzw. eingeschätzt.

Aber Vorsicht

Diese Waldwertgutachten fallen regelmäßig zugunsten des Waldverkäufers aus. Wenn der Förster den Wert des Holzbestandes ermittelt hat, ist das natürlich nicht falsch. Aber man kauft ein Waldstück ja nicht um es danach gleich  vollständig abzuholzen. Nur so könnte der Im Gutachten ermittelte Wert des Holzes am Markt auch realisiert werden. Wenn man, wie in der Praxis üblich, immer nur einen Teil des Holzes entnimmt, muss man mit Mindermengenabschlägen rechnen und trägt im Zeitverlauf auch das Risiko von Sturmschäden. Dann kostet das Aufarbeiten des Holzes mehr und die Erlöse sinken mit den niedrigen Holzpreisen nach einem Sturm.

Die Nebenkosten eines Waldkaufs (ca. 10% vom Kaufpreis) werden ebenfalls nicht in einem Waldwertgutachten berücksichtigt. Wer Wald also nach dem Wert eines Gutachtens bezahlt, kauft tendenziell zu teuer. Keine allgemeingültigen Waldpreise: Vorsicht vor Pauschalaussagen wie „Fichtenwald kostet rund 1,00 €/m²“. Die regionalen Unterschiede sind in Deutschland riesig! Wald in der Nähe von Ballungszentren ist generell teurer als „inmitten der Pampa“. Süddeutschland hat tolle Wälder, aber allgemein auch abstrus hohe Waldpreise. Wenn in Bayern tatsächlich einmal ein Waldstück zum Verkauf steht, sind 6,00- 8,00 €/m² (2018) inzwischen keine Seltenheit mehr. Mit dem Holzwert sind solche Preise nicht zu rechtfertigen, denn für z.B. Fichtenholz bekommt ein Waldbesitzer in Bayern auch nicht mehr, als in Rheinland-Pfalz. In den neuen Bundesländern hat die Treuhand mit den seinerzeit zu Tiefstpreisen verschleuderten Flächen die Waldpreise auf Jahrzehnte belastet. Hier bekommt man veritablen Wald immer noch zum „Schnäppchenpreis“. Windwurfgefährdete Flächen mit der falschen Ausrichtung kosten weniger, als windgeschützte Lagen mit der perfekten Ausrichtung. etc. etc.

Holzbestand mit dem größten Preishebei

Grundsätzlich sollte man sein Augenmerk auf den Holzbestand eines Waldstückes legen. Dann kann man nie groß danebenliegen. Wenn man den Bodenwert z.B. mit 0,30 €/m² ansetzt, obwohl 0,25 €/m² der richtige Wert gewesen wären, hat man zwar 20% zu viel angesetzt, aber auf einen Hektar betrachtet (10.000 m²) macht das gerade einmal 500 € aus. Verschätzt man sich aber beim Holzbestand und nimmt an, dass z.B. ein Fichtenwald 300 fm/ha Holz hat, obwohl es nur 250 fm/ha sind, hat man zwar wieder 20% danebengelegen, aber der Wert der Differenz von 50 fm Fichtenstammholz liegt aktuell abzüglich aller Ernteverluste sowie Ernte- und Rückekosten bei rund 2.500-3.000 €.

Fortsetzung folgt

Quelle: Waldwissennet; AFZ; forstpraxis; AFZ-DerWald; proWALD;

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